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Was bei uns wächst: Der Saisonkalender für Baden-Württemberg

Redaktion the plätform · 20.01.2026


Es gibt diesen Moment beim Einkaufen, den viele kennen. Man steht vor dem Regal, sieht Erdbeeren im Januar oder Spargel im Herbst und denkt kurz: Eigentlich weiß ich ja, dass das gerade nicht passt.
Regional einkaufen klingt einfach, bis man sich fragt, was eigentlich wann wächst. Genau hier hilft ein Saisonkalender. Nicht als Regelwerk, nicht als Verzichtsplan, sondern als Orientierung. Als kleine Gedankenstütze dafür, was Baden-Württemberg zu welcher Jahreszeit ganz natürlich hergibt.

Denn das Ländle ist vielfältig. Vom milden Oberrheingraben über Streuobstwiesen bis hin zur Alb und zum Schwarzwald. Entsprechend unterschiedlich sind auch Erntezeiten und Produkte. Trotzdem gibt es einen klaren Jahresrhythmus, an dem man sich gut entlanghangeln kann.

Warum saisonal einkaufen Sinn macht

Saisonal einkaufen bedeutet vor allem eines: Lebensmittel zur richtigen Zeit genießen. Produkte, die dann geerntet werden, wenn sie reif sind, schmecken intensiver, haben kürzere Transportwege und stammen oft direkt aus der Region. Gleichzeitig unterstützt man Erzeuger vor Ort und bleibt näher an dem, was hier wächst.

Dabei geht es nicht um Perfektion. Niemand muss ausschließlich saisonal einkaufen. Aber schon ein grober Überblick hilft, bewusster zu entscheiden und ein besseres Gefühl für Lebensmittel und ihre Herkunft zu entwickeln.



Frühling im Ländle: Der Start ins neue Erntejahr

Der Frühling ist im Saisonkalender noch zurückhaltend, aber dafür umso frischer. Nach den Wintermonaten kommen die ersten zarten Kulturen aus heimischem Anbau. Spargel ist dabei das bekannteste Beispiel, aber auch Blattgemüse und frühe Salate prägen diese Zeit. Radieschen tauchen jetzt auf und begleiten uns je nach Anbau bis in den Herbst hinein.

Frisches Obst ist im Frühling noch selten. Äpfel stammen meist aus der Lagerung der vorherigen Ernte, während Rhabarber eine der ersten fruchtigen Ausnahmen bildet.

Weitere typische Frühlingsprodukte:

  • Pflück- und Kopfsalate

  • Kohlrabi

  • Frühlingszwiebeln

  • Bärlauch

  • Rhabarber





Sommer: Hochsaison für Obst und Gemüse

Im Sommer zeigt sich die ganze Vielfalt der regionalen Landwirtschaft. Jetzt wächst fast alles, was man mit saisonalem Einkauf verbindet. Tomaten, Gurken, Zucchini und Paprika kommen frisch vom Feld, dazu zahlreiche Hülsenfrüchte und Kohlsorten. Die Auswahl ist groß, bunt und geschmacklich am intensivsten.

Auch beim Obst ist der Sommer die wichtigste Zeit. Beeren, Steinobst und frühe Kernobstsorten prägen diese Monate. Frühkartoffeln ergänzen das Angebot und machen den Sommer zur kulinarisch vielseitigsten Jahreszeit.

Weiteres Sommergemüse und Obst:

  • Bohnen

  • Erbsen

  • Brokkoli

  • Blumenkohl

  • Erdbeeren

  • Himbeeren

  • Johannisbeeren

  • Kirschen

  • Aprikosen

  • Pfirsiche




Herbst: Erntezeit und Vorratsdenken

Der Herbst ist die Zeit des Einbringens. Jetzt werden viele Kulturen geerntet, eingelagert oder verarbeitet. Streuobstäpfel, Birnen und Zwetschgen prägen diese Monate ebenso wie Kürbis, Wurzelgemüse und spätere Kohlsorten. Kartoffeln werden geerntet und eingelagert und bilden die Grundlage für die Winterküche.

Der Herbst steht für Vorratshaltung und Verarbeitung. Marmeladen, Säfte, Öle und Eingemachtes sorgen dafür, dass die Ernte noch lange genutzt werden kann.

Weitere typische Herbstprodukte:

  • Trauben

  • Karotten

  • Fenchel

  • Lauch




Winter: Regional geht auch jetzt

Auch im Winter ist regionaler Einkauf möglich, wenn man den Blickwinkel etwas verändert. Jetzt dominieren lagerfähige Sorten und winterfeste Kulturen. Feldsalat ist ein typischer Winterklassiker, ebenso wie verschiedene Kohlarten und Lauch. Äpfel und Kartoffeln stammen jetzt aus der Lagerung, gehören aber weiterhin zum regionalen Angebot.

Der Winter zeigt besonders deutlich, dass saisonal nicht gleich frisch vom Feld heißen muss. Lagerung ist ein fester Bestandteil regionaler Landwirtschaft.

Weitere Winterprodukte:

  • Weißkohl

  • Rotkohl

  • Wirsing

  • Grünkohl

  • Rosenkohl




Saison im Ländle heißt mehr als Obst und Gemüse

Wenn man über Saison spricht, denkt man oft nur an frische Ernte. Dabei gehören viele weitere regionale Erzeugnisse dazu, die einen festen Platz im Jahreslauf haben.

Honig: Ernte im Sommer, Genuss das ganze Jahr

Honig hat keine klassische Erntezeit wie Obst oder Gemüse, folgt aber trotzdem einem klaren Rhythmus. In Baden-Württemberg ernten Imker ihren Honig meist ein- bis zweimal pro Jahr. Die erste Ernte findet im späten Frühjahr oder Frühsommer statt und bringt meist helle, milde Honige hervor. Die zweite Ernte folgt im Hochsommer, oft im Juli oder August, mit kräftigeren Sorten wie Sommerblüten- oder Waldhonig.

Nach dem Schleudern und Abfüllen kommt der Honig in den Verkauf und bleibt dank seiner natürlichen Haltbarkeit das ganze Jahr über verfügbar. Honig zeigt besonders gut, dass regionaler Genuss nicht an eine bestimmte Jahreszeit gebunden ist.

Wein und Trauben: Der Herbst prägt das ganze Jahr

Der Weinbau gehört fest zur Kulturlandschaft Baden-Württembergs. Vom Kaiserstuhl über Württemberg bis an den Bodensee prägen Reben ganze Landschaften. Die Weinlese findet im Herbst statt, meist zwischen September und Oktober. In dieser Zeit entstehen auch Neuer Wein oder Neuer Süßer, die viele mit dem Herbst verbinden.

Die eigentlichen Weine reifen danach im Keller und kommen oft erst Monate später in den Verkauf. Auch hier gilt: Saison endet nicht mit der Ernte. Wein begleitet uns über viele Jahreszeiten hinweg, obwohl sein Ursprung klar im Herbst liegt.

Öle, Getreide und Eingemachtes

Ähnlich ist es bei kaltgepressten Ölen, Getreideprodukten oder eingemachten Spezialitäten. Raps, Leindotter oder Sonnenblumen werden einmal im Jahr geerntet, oft im Sommer oder frühen Herbst. Danach werden sie verarbeitet und sind über lange Zeit verfügbar.

Diese Produkte zeigen, dass regional einkaufen nicht nur frisch bedeutet, sondern auch vorausschauend. Was in einer Jahreszeit wächst, prägt oft viele Monate danach unseren Speiseplan.




Koschtnix-Extra: Der Saisonkalender für Baden-Württemberg zum Download

Wer einen verlässlichen Überblick sucht, findet beim Landeszentrum für Ernährung Baden-Württemberg einen kostenlosen Saisonkalender. Er zeigt übersichtlich, wann welches Obst und Gemüse aus heimischem Anbau verfügbar ist.

Der Kalender ist über lern-bw.de abrufbar und eignet sich nicht nur für den Unterricht, sondern auch hervorragend für den Alltag. 


Regional und saisonal ohne Druck

Niemand muss alles richtig machen. Der Saisonkalender ist keine Checkliste, sondern eine Einladung. Eine Einladung, sich wieder mehr mit Lebensmitteln, Jahreszeiten und Herkunft zu beschäftigen.

Manchmal reicht es schon, beim nächsten Einkauf einen kurzen Blick auf die Saison zu werfen. Genau daraus entsteht mit der Zeit ein bewussterer Umgang mit Essen und regionalen Erzeugnissen.

Denn saisonal einkaufen ist kein Trend. Es ist etwas, das im Ländle schon immer dazugehört hat.